Limited-Gründungen: Miese Gründerstimmung
Unter deutschen Rechtsanwälten und Notaren gelten sie als "shitty Limiteds", was übersetzt "beschissene Limiteds" bedeutet. Damit bringen die Juristen das Desaster der Limited-Gründungen in Deutschland in den letzten drei Jahre auf den Punkt: Unkenntnis, fehlendes Kapital, mangelnder Gläubigerschutz, Steuerhinterziehung und Betrug sind die gängigen Vorurteile.

Die Beschwerden türmen sich
In den Rechtsabteilungen der Industrie- und Handelskammern in Deutschland türmen sich die Beschwerden und Verfahren wegen falsch oder unzureichend gegründeter oder geführter Limiteds. Das hat eine Befragung des Spezialdienstleister für Firmengründungen "Firmenwelten" ergeben.

Rechtsfehlerhaft oder hochproblematisch
Billiganbieter haben laut "Firmenwelten" beim Rufmord der Limited kräftig mitgeholfen und eine tolle Firmenform fast vollständig ruiniert: Mehr als 80 Prozent aller Limited-Gründungen sind rechtsfehlerhaft oder zumindest hochproblematisch. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer spricht gar von einem "Limited-Spuk", dem "ein Ende bereitet werden" müsse.

Steuerlich bedenklich
Limited-Gründungen für Unternehmen, die in Deutschland geführt werden sollen, sind zu oft steuerlich bedenklich oder sie erfüllen nicht die Vorgaben für eine deutsche Zweigniederlassung. Das ist das Ergebnis einer umfassenden Untersuchung von Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern und Rechtsanwälten in England und Deutschland.

Im Visier der Ermittler
Dabei geraten immer mehr Billiganbieter von Limiteds in das Visier englischer und deutscher Ermittler. Und mit Ihnen alle, die hier ihre Limiteds erworben haben. Als Beispiel dient ein Anbieter, der mehr als 10 000 "deutsche" Limiteds von einer Briefkastenfirma aus betreibt. Das haben laut "Firmenwelten" Recherchen vor Ort in England ergeben. Im Visier sind insbesondere Billiganbieter von Limiteds, die solche Unternehmensformen unter 500 Euro anbieten. Tatsächlich liegen in der Regel aber schon die Kosten für alle Unterlagen für die deutschen Behörden höher. Solche Billiganbieter erfüllen nicht einmal die minimalen Anforderungen für die Nutzung von Limiteds in Deutschland oder Österreich.

IHK alarmiert
"Kenner der Szene vermuten, dass inzwischen so manche Limited, die hier in Deutschland ihren Geschäften nachgeht, in Großbritannien schon gar nicht mehr existiert", sagt der Leiter des Bereichs Recht im DIHK, Jürgen Möllering.

Jede vierte Gründung ist Limited
Doch das Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen: Jede vierte Firmengründung in Deutschland ist eine Limited. Ihre Vorteile: Die Limited ist mit Gründungskosten von rund tausend Euro preiswert, schnell zu gründen, hat geringes Stammkapital, ist flexibel zu handhaben und für Unternehmer und Gründer ein optimales Instrument für den geschäftlichen Erfolg. Werden alle Regeln und Richtlinien beachtet, sind die Haftungsbeschränkungen einzigartig. Limiteds werden aus gutem Grund inzwischen in allen Branchen geführt. T-Online Business (23. Mai 2006)